Stufen der Entwicklung

3 Stufen der Entwicklung

Was kann ich weitergeben?

Welche Erkenntnisse kann ich von meinem Laufprojekt auf andere Projekte übertragen? Ich gehe jetzt ins dritte Jahr meines Laufprojektes „Knacki rennt“und ich muss , wenn ich meine Trainingsentwicklung betrachtet immer an eine Aussage denken, die ich schon öfters zitiert habe: „Menschen überschätzen sich gerne, was sie in einem Jahr schaffen und unterschätzen, was sie in drei Jahren schaffen können.“ Ich kann nur sagen: stimmt. Exakt so erlebe ich dieses Lauferlebnis.

Warum schreibe ich?

Wenn ich über meine Lauferlebnisse schreibe, dann geht es mir auch immer um die Frage: Was kann ich daraus für meine Leben, meine Projekte und meine Arbeit lernen und was ist vielleicht auch für andere Menschen interessant?
Natürlich möchte ich andere ermutigen auch zu Laufen, aber mehr noch geht es mir um den Beweis, dass man egal wie alt man ist oder in welchem Lebensabschnitt man steckt, man zu jeder Zeit  viel erreichen kann, wenn man zielgerichtet, überlegt und mit der entsprechenden Motivation losgeht. Bevor wir die neuen Trainingspläne geschrieben habe, habe ich mich mit meinem Stab (Trainer, Arzt, Ernährungsberater, Physiotherapeut) oft besprochen und überlegt, was ist das Hauptziel des kommend Jahres? Und bei dieser Diskussion wurde mir klar, dass bisher jedes Jahr unter einem eigenen Motto stand. Und diese Entwicklungsstufen habe ich dann auch in ähnlicher Art in vielen meiner Projekte wiedererkannt.

Verzicht

Rückblickend wurde mir klar, dass das Thema des ersten Jahres „Verzicht“ war. Verzicht im Sinn von „auf das Lauftraining konzentrieren“, Tennis und andere Sportarten nur noch ab und zu zum Spaß betrieben, die Ernährung umstellen, auf Alkohol verzichtet und den ganzen Tagesablauf neu organisieren. Verzicht quasi als Analogie für ein professionelle Einstellung und Aufbau einer umfassenden Strategie.

Geschwindigkeit

Im zweiten Jahr drehte sich alles um das Thema „Geschwindigkeit“. Ziel war es meine Grundgeschwindigkeit zu bessern und meine Sprintfähigkeiten wieder aufzubauen.Wir haben den  Trainingsplan und die Methoden immer mehr verfeinert und sehr intensiv an Koordination und Kraft gearbeitet. Für mich war das das Jahr der Skills. Aufbau des eigentlichen Könnens.  Seine Fähigkeiten auf den neusten Stand der Dinge zu bringen.

Durchhalten

Und jetzt im dritten Jahr geht es ums Durchhalten. Durchhalten im Sinne von „die Geschwindigkeit auf die ganze Distanz bringen.“ Das haben wir uns auch fürs Training vorgenommen. Nicht immer auf Endgeschwindigkeit zu gehen, sondern lieber ein paar Sekunden langsamer laufen, aber dafür mehr Einheiten und längere Distanzen. Nächstes Jahr möchte ich die 800m irgendwann einmal auch bis 800m durchlaufen und nicht bei 550 oder 600 wieder abbauen. UND ich werde jetzt die 1500m angehen.  „Durchhalten“ ist auch bei anderen Projekten immer eine sehr schwierige Phase. Jetzt geht es darum nicht ungeduldig zu werden, sondern die Fähigkeiten und die Strategie immer mehr zu verfeinern und auf dem Markt abzustimmen.

Erkenntnis

Ich kann nur sagen, dass es erstaunlich ist, was man alles aus einem Körper (auch in meinem Alter) rausholen kann. Man darf gerne mutig und voller bekloppter Ideen starten, aber wenn wir wirklich was verändern und etwas Besonderes erreichen wollen, sollten wir auch etwas Geduld mitbringen.

Und dann?

Und dann? 
Was passiert, wenn wir die Grenzen schließen und alle Flüchtlinge ausweisen? Dann haben wir sie nicht mehr, sondern die anderen. Wahrscheinlich landen die dann in Italien und Griechenland. Gut, dann machen wir Grenzen zu denen dicht und schmeißen die am besten aus der EU raus. (Die haben es sowieso nicht drauf.) Und wenn alle Flüchtlinge draußen sind, dann machen wir unsere Grenzen so richtig dicht. Wenn nicht wir Mauern können – wer dann.
Und dann? 
Ist doch egal, die meisten Deutschen gehen doch sowieso bald in Rente und der Staat hat doch gesagt „Die Rente ist sicher“. Was soll den der ganze Stress mit Globalisierung. Man kann auch an die Ostsee reisen. Es wird doch sowieso wärmer.
Und warum soll man sich mit Erdogan oder Putin oder den Massakern in Aleppo auseinandersetzen? Ist doch viel zu anstrengend und zu weit weg. Sollen die sich doch gegenseitig umbringen. Und die immer neuen Flüchtlinge, die dort ständig entstehen, sollen schön mal nach Italien und Griechenland. (Da ist das Wetter auch ähnlich.)
Und dann?
Ja, dann warten wir, wie die paar jungen Menschen, die wir haben, es schaffen dank der tollen deutschen Mauern, trotz fehlender Innovationskraft der deutschen Wirtschaft und Wissenschaft und mit Hilfe einer kaum vorhandenen und schlecht ausgerüsteten Armee, Länder wie Russland, den USA und China den Kampf ansagen und natürlich ohne Blutvergiessen (das muss ja auch nicht sein) jeden Kampf gewinnen, weil uns alle für unsere tollen Mauern bewundern.
Und dann?
Und dann sind alle guten Deutschen glücklich, weil wir da sind, wo wir hingehören: nämlich in unserem eigenen Land, wo keine komisch aussehende Menschen und Kinder einen nerven, man nicht arbeiten muss, weil man ja die Rente genießt, man endlich wieder so richtig schön christliche Feiertage feiern kann ohne in die Kirche gehen zu müssen und Bayern München und RB Leipzig eine gemeinsame Mannschaft bilden und jeden in der Champigons-Legaue schlagen, den es gibt.
Einfach so, weil wir es verdient haben …

(und weil es mein Blog ist, hier direkt meine  Antwort)

Wir sind in einem permanenten Reaktionsmodus. Wir versuchen zu retten, was kaputt geht, statt es erst gar nicht kaputt gehen zu lassen, das heißt wir sehen immer nur die Auswirkungen statt uns mit den Ursachen zu beschäftigen. Es leben bald 10 Milliarden Menschen auf der Welt und wir glauben, dass wir in Deutschland ein verbrieftes Recht auf Glück und Wohlstand haben?! Wir haben es vielleicht, wenn wir Visionen liefern, wenn wir Stellung beziehen und Politik betreiben. Aber Politik betreiben heißt, dass man aktiv wird, dass man Koalitionen bildet, dass man Ursachen bekämpft, Ideen liefert und die Menschen auf der Welt mit seinen Leistungen und Ideen begeistert.

Naja, haben wir ja. Trump steht auf Mauern…

Also, lass euch nicht hängen (und geht laufen 😉 )

Anders denken… (2016)

Wer nie abbiegt, bleibt auf der Strecke

Ein Phänomen ist im Moment auf der ganzen Welt zu beobachten: Menschen sind müde und erschöpft von der Geschwindigkeit und der Komplexität unserer Welt und sehnen sich weniger nach Veränderungen als nach einem Wochenende, an dem Sie sich eine komplette TV-Serie am Stück ansehen können (Glauben Sie mir, ich kenne das nur zu gut). Wir träumen davon, wieder unsere persönlichen und nationalen Komfortzonen zu definieren, sie zu verbarrikadieren und dann schön dort zu bleiben.

Komfortzone

Doch trotz dieser tiefen Sehnsucht nach Ruhe und Entschleunigung sind wir nicht wirklich bereit auf Erfolg und Wohlstand zu verzichten und wissen insgeheim natürlich ganz genau, dass Erfolg immer etwas mit Leistung und Veränderung zu tun hat. Was uns direkt in ein modernes Dilemma führt: Stehenbleiben ist keine Lösung, aber die bekannten Wege ermüden uns.

Eins habe ich schon früh in meinen langen Lauf-Trainingssessions gelernt. Auch das härteste Training braucht manchmal Phasen der Ruhe und Erholung, aber sie können nur die Ausgangslage für neue Trainingsreize sein. Irgendwann kommt man nicht umhin seine Komfortzone wieder zu verlassen. Jedoch sollte man das Training immer, damit es nicht eintönig und langweilig wird, variieren und verändern. Dieses Prinzip habe ich in allen meinen Projekten eingesetzt. Ich habe mich immer wieder gefragt: Gibt es nicht eine andere Möglichkeit, die Aufgabe zu lösen? Zum Beispiel: Welche Geschäftsbereiche sind z.B. im Moment NICHT angesagt?

Warum Humor?

Der Grund, dass ich mich so viele Jahre mit Humor beschäftigt habe, entstammt der Idee, dass ich erstens gerne lache UND ich zweitens schon vor vielen Jahre dachte, wenn die ganze Welt erzählt, dass Deutsche keinen Humor haben und wir es oft auch selber glauben, dann ist das EIN Markt, der noch viel Potential hat. Und wenn ich sehe wie groß die deutsche Comedy-Szene geworden ist und wie viel und erfolgreich ich in diesem Umfeld gearbeitet und produziert habe, dann lag ich anscheinend nicht ganz falsch.

Für mich heißt das, wenn wir gestresst oder unzufrieden sind, dann haben wir letztendlich zwei Möglichkeiten. Wir können stehen bleiben und uns ausruhen und hoffen, dass nach einem längeren Dornröschenschlaf alles von alleine besser wird ODER wir holen einmal tief Luft, ändern unsere Perspektive und überdenken noch einmal all unsere Ziele.

Wo geht die Reise hin?

Im letzten Jahr habe ich mich auch ständig mit dieser Frage beschäftigt: „Wo geht die Reise hin?“ Ich wusste, ich brauche wieder ein Ziel, das mich antreibt und beflügelt. Vor einem halben Jahr habe ich erneut mit dem begonnen, was ich in meinen jungen Jahren schon einmal als Hochleistungssportler betrieben habe, nämlich mit dem Laufen. Aber schon nach ein paar Wochen habe ich mich gefragt was ist dein Ziel? Läufst du jetzt einen Marathon? Ich bin zwar schon nach drei Monaten Training wieder einen Halbmarathon in 1:29 gelaufen. Nicht schlecht, aber auch nicht so einzigartig, dass mich dieses Ergebnis ein Jahr im siebten Himmel schweben lässt. Oder sollte ich vielleicht sogar einen 100 km-Lauf angehen?

Wie gesagt, manchmal sollte man sich fragen: gibt es da nicht noch mehr? Kann man das Thema Laufen nicht irgendwie anders angehen? Warum immer so lange Strecken laufen, warum nicht mal wieder richtig schnell laufen? Ich kenne viele Läufer die würden gerne mal wieder die 5km oder 10km 1-2 Minuten schneller laufen. Mir ging es ähnlich. Und bei einem richtig schnellen Dauerlauf habe mich jetzt entschieden nicht noch weiter, sondern wieder schneller zu laufen.  Mein Plan ist es mit meinen 54 Jahren wieder zurück auf die BAHN zu gehen und auf der Leichtathletik (Masters) WM 2018 in Malaga (ES) in meiner Altersklasse auf der 1.500 Meter-Strecke zu starten. Das bedeutet zwei Jahre hartes Training. 6-10 Trainingseinheiten die Woche. Als erstes stehen im Sommer 2017 die Deutschen-Meisterschaften an, mit dem Ziel die Qualifikationen für die EM 2017 in Aarhus (DEN) zu laufen und als nächstes dann die Qualifikation für die WM 2018. Werde ich es schaffen? Ich hoffe es, weiß aber ganz genau, dass da noch ganz viel schiefgehen kann. Aber ich bin voller Tatendrang, bin gespannt wie es für mich sein wird mit einer Leistungsgruppe, die zwischen 20 und 25 Jahre alt ist, zu trainieren, habe 100 Ideen für neue Projekte, u.a. schmiede ich jetzt schon mit meiner Frau Pläne in welche Länder, zu welchen Wettkämpfen wir reisen werden. Mit anderen Worten, manchmal muss man die Dinge neu betrachten und bekannte Weg verlassen und einfach loslaufen.

P.S.: Und so habe ich quasi nebenher auch einen Titel für meine Vorträge gefunden. Titel: „Wer nie abbiegt, bleibt auf Strecke.“

der erste Wettkampf in London 2016
der erste Wettkampf in London 2016
World Masters 2018
World Masters 2018